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Reisebericht über
unsere Connemara Tour

Den in aktivRadfahren Heft 5 / 2000 auf S. 90 bis 97 erschienenen Bericht haben wir unverändert übernommen, lediglich einige Bilder und allgemeine Irland-Informationen wurden herausgenommen und das Ganze ins HTML-Format konvertiert, um lange Ladezeiten zu vermeiden. Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Autorin und der Bielefelder Verlagsanstalt. Übrigens: unsere Streckenführung und die Erlebnisse sind fast noch die Gleichen, nur den Lachs im Flieger gibt´s nicht mehr ......


Radler
Biertrinker
Schafe verursachen Verkehrsstau



Mein irisches Tagebuch

Auf der Grünen Insel können Sie nicht nur gut Rad fahren, Sie können auch ganz schön viel erleben. Unsere Autorin genoss mit Green Island Tours traumhafte Tage an der irischen Westküste und bekennt: "Irland macht süchtig. Im nächsten Jahr komme ich wieder. Es gibt noch so viel zu sehen."

Der erste Eindruck täuscht selten. Erwartungsvoll sitze ich im Flieger mit dem Kleeblatt auf der Heckflosse, und schon bekomme ich einen Vorgeschmack auf die sprichwörtliche irische Gastfreundlichkeit. Nur 2,5 Stunden Flugzeit und wir schmausen Lachsfilet – in der Touristenklasse. Nicht schlecht für den Anfang. Ich krame meine Reiseunterlagen aus dem Rucksack und verfolge die geplante Route auf der Landkarte: von Shannon aus, an der Westküste Connemaras entlang nach Norden bis Sligo.
Abrupt reißt mich der Bordlautsprecher aus meinen Vorfreuden: "Und hier die aktuellen Temperaturen: Shannon: fine, 18° C". Was, so kalt? Doch als ich aus dem Flieger steige, frage ich mich, ob das die Nachttemperaturen waren. Eine angenehm milde, samtweiche Luft, ein strahlender Himmel, tiefblau, wie ich es noch nie gesehen habe und ein paar weiße Wölkchen – noch schöner als im Reiseführer.
In der Ankunftshalle treffe ich auf den Rest der Gruppe. Unser Reiseleiter, ein typischer Ire mit roten Haaren und Rauschebart, heißt Manfred und entpuppt sich als waschechter Deutscher.
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Geduldig und ohne seinen fast schon irischen Humor zu verlieren, verfrachtet er uns samt Gepäck in mehrere Taxis. Sein Rad landet im Kofferraum. Die Klappe geht zwar nicht mehr zu, doch ein irischer Taxifahrer hat für solche Zwecke immer Wolldecke und Gummiband dabei. Die Wirtin des komfortablen Bed & Breakfast Hauses empfängt uns mit Tee und Häppchen – und ich dachte immer, das wäre nur ein Klischee.
Abends gleich der erste Ausritt mit den Leihräder Serpentinen hinunter zum Bunratty Castle. In "Durty Nellys", einem Jahrhunderte alten Pub, gibt's deftiges Abendessen, kühles Guinness und dann Livemusik. Schon jetzt merke ich, wie Stress und Alltagshektik einer fröhlichen Zufriedenheit weichen. Irgendwann werden die Augenlieder schwer und wir treten einen recht abenteuerlichen Rückweg an. Denn irische Räder haben keine Lichtanlage, denn Rückstrahler sind nach Meinung einheimischer Verkehrsexperten völlig ausreichend.

Irish Breakfast und Märchenkulisse

Am nächsten Morgen erfahre ich was ein echtes „Irish Breakfast“ ist: Zunächst ein "Cereal" nach Wahl: Cornflakes oder Weetabix mit viel Milch, das macht den Ungeübten eigentlich schon satt. Für die Iren jedoch beginnt es jetzt erst richtig: Schinken, Würstchen, Spiegelei und Toastbrot bis zum Abwinken. Wir kapitulieren einer nach dem anderen und ernten dafür den freundlichen Tadel der Hausfrau: "ja, wenn ihr nicht frühstückt, dann könnt ihr doch nicht ordentlich Fahrrad fahren."
Wir werden es trotzdem versuchen. Ungewohnt ist es schon, auf der "falschen“ Straßenseite zu fahren; doch man gewöhnt sich schnell daran. Allerdings sind die Straßen sehr schmal, und der Belag ist ziemlich rau. Doch wen interessiert der Straßenbelag, wenn rings um uns die zahllose Vielfalt von Grüntönen eine märchenhafte Kulisse zaubert. Bäume, Wiesen und Felder leuchten intensiv, wirken plastisch, wie von einer inneren Lichtquelle erhellt. Das Gelände ist leicht hügelig, ich kurble tapfer und bereue das üppige Frühstück, während Manfred, der Reiseleiter ungerührt von "harmlosen Bodenwellen" spricht.
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Bereits nach wenigen Kilometern die erste Attraktion: das Freilichtmuseum "Cragganowen-Projekt". Pfahlbauten und Reste der Zivilisation aus der Bronzezeit. Anschließend "Tea and Scones", letztere frisch aus dem Ofen. Ich verschiebe meine Diätpläne.
Der nächste Tag wartet mit einem Höhepunkt auf: die Cliffs of Moher, die schwindelnd hohen, senkrecht ins Meer abfallenden Klippen. Zur einmaligen Aussicht führt ein Anstieg auf 200 Meter, doch zum Etappenziel Doolin, dem sympathischen, völlig musikbegeisterten Örtchen geht es dann fast nur noch bergab.
Die Küstenstraße Richtung Norden ist einfach atemberaubend. Links das Meer und rechts der Burren, ein bizarres Steinkarstgebiet. Bei Fanore führt uns Manfred an einen Traumstrand mit der blauen Europa-Flagge! Wir rasten und genießen, einige stürzen sich mutig in die Fluten. Kurz danach geht es ins Landesinnere. Überraschend, was nur 100 Meter Höhendifferenz ausmachen können! Unten scheint immer noch die Sonne, doch hier beginnt es zu tröpfeln. Manfred, das Organisationstalent, "besorgt" uns schnell eine Scheune. Nachdem wir den dort wohnenden Esel vergrault haben, ist es eine prima Stelle zum Picknicken.

Am nächsten Morgen machen wir Bekanntschaft mit einer typisch irischen Tugend: der Unzuverlässigkeit. Der bestellte Bus kommt nicht. Die zweistündige Verspätung bedauert der Fahrer. Begründung: gleich zwei Plattfüße am Anhänger. Um Ausreden sind die Iren nie verlegen.... Aber sie sind auch spontan, deshalb lässt der Busfahrer vom Preis etwas nach, und Manfred kann uns später im Pub eine Runde ausgeben. So findet alles seinen natürlichen Ausgleich.
Die nächste Überraschung: Die Tür vorn B&B-Haus im zauberhaften Maam Valley ist verschlossen. Daran hängt ein Zettel: "zurück in einer halben Stunde". Das kann dauern, denn die Iren besitzen ein merkwürdiges Zeitgefühl. "Just a second" meint "ein paar Minuten", und "only 5 minutes" dauert schon mal eine halbe Stunde. Manfred schlägt die irische Lösung des Problems vor. Wir fahren zu "Keanes", dem örtlichen Pub, wo Jack, der Barkeeper mit der Fistelstimme, den besten "irisch coffee" Irlands braut. Damit lässt sich jede Wartezeit überbrücken.
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Von den Zimmern und dem Speisesaal unseres Quartiers hat man einen unvergesslichen Blick in das Tal. Das Wetter wechselt urplötzlich. Eben noch blauer Himmel, im nächsten Moment ziehen tiefschwarze Wolken auf und sintflutartig stürzen die Wassermassen herab. Nach einigen Minuten ist der Spuk vorüber und die Sonne brennt, dass ich froh bin, die Sonnencreme dabei zu haben. Typisch irisches Wetter eben.
Wir haben uns schon daran gewöhnt und sind flexibel geworden. Als heute zur Picknick-Time ein feuchter, kühler Wind aufkommt, begeben wir uns unter Manfreds ermutigenden Worten in einen Pub. Dort dürfen wir tatsächlich unsere mitgebrachte Jause verzehren. Natürlich bestellen wir ein paar Pints (ca. 0,568 Liter) Bier. Und so hat jeder was davon. Das Leben kann richtig unkompliziert sein!

Guinness, Livemusik und Schleichwege

Nach einem letzten Blick auf die Connemara Mountains geht es über den Boo Loo Pass. Klingt drastisch, ist aber harmlos. Das heutige Ziel ist die Kreisstadt Westport. 4000 Einwohner, aber Leben für 30.000. Abends sind wir dann auch gleich "versackt". Im "The Quays" spielt eine Live-Band. Von der Musik war nichts zu hören, aber die Stimmung ist Klasse. Unversehens steht ein Pint vor mir. Die bis dahin unbekannte Nachbarin hatte es mir mitgebracht. Es gehört sich nicht, sich mit Fremden nicht zu unterhalten", erläutert sie die Sachlage.
Kaum haben wir die Stadt hinter uns gelassen, herrscht wieder Einsamkeit pur. Nur einige verstreute, freistehende Häuser, mitten in der ursprünglichen Landschaft. Auf den schmalen, einspurigen Straßen, abseits der ausgeschilderten Routen bin ich froh über Manfreds ortskundige Führung. Hier trifft man kaum andere Radler, Die bleiben aus Orientierungsgründen meist auf den stark frequentierten Hauptstraßen. Manche Radreiseführer erwähnen die idyllischen Nebenstrecken noch nicht einmal und schicken ihre Leser stattdessen auf die autobahnähnlichen Nationalstraßen.
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In Newport bewundern wir die Brücke der alten Eisenbahn nach Achill Island. Dort hat im "Bölls Cottage" der deutsche Schriftsteller über drei Jahrzehnte seinen Urlaub verbracht. Nach einer kurzen Rast rollen wir weiter, wieder nur auf "Geheimtippsträßchen". Nach einem längeren Anstieg steht zur Belohnung ein Besuch der "inneren Zapfsäulen" auf dem Programm. Ein irrer Laden. Draußen Zapfsäulen für Benzin & Diesel, etwas Baumaterial, drinnen stehen die Schokoriegel neben den Pflanzenschutzmitteln. Eine schmale Tür führt zum Pub.
In dem etwas heruntergekommenen Crossmolina (600 Einwohner, 16 Pubs) gibt es kaum Touristen. Wir sind die Attraktion. Am nächsten Morgen weiß hier jeder, wo wir übernachtet, wo gegessen und was wir getrunken haben.Das Essen ordern wir zwei Stunden vorher, denn für jede Bestellung wird das Gewünschte frisch vom Metzger geholt. Nach 21 Uhr gibt es kein Fleisch mehr, dann hat der Laden nämlich zu.

Der 13. Tag ist Krisentag. Einige maulen, warum sie heute noch ganze 70 Kilometer fahren sollen, wo sie morgen sowieso wieder zu Hause sind. lch hingegen genieße jede Minute. Morgen ist morgen, warum an Deutschland denken? Die heutige Strecke zieht noch einmal alle Register, doch dann schiebt der Westwind und um 17 Uhr sind wir da. Strandhill macht seinem Namen alle Ehre. Zur einen Seite der majestätische Knocknarea-Mountain, von dessen Spitze man eine phantastische Rundumsicht hat, und zur anderen Seite der tosende Atlantik mit seinem weitläufigen Strand und einem Golflatz in den Dünen.

Statt eines zeitraubenden Transfers zurück nach Shannon bummeln wir am Strand entlang. Dann geht's zu Fuß zum Flughafen Sligo. Der größte Raum im Terminal ist der Pub, dort warten wir wie die anderen Passagiere, geduldig. Als die Propellermaschine endlich zur Landung ansetzt springen die Wartenden auf und rennen zum Fenster. Es scheint wäre dies das erste Flugzeug seit Jahren. Sie wollen wissen, wie Flug mit einer Propellermaschine ist? Nun, nicht so schlimm wie es erwartet hatte. Eigentlich total harmlos.


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IRELAND FOR BEGINNERS

Fünf nützliche Ratschläge
für Irland-Neulinge

vom lrish Times Redakteur Frank McNally mit einem Augenzwinkern auf den Punkt gebracht

Wetter

Es wird oft gesagt, die Iren seien eigentlich mediterrane Menschen. Deswegen sind sie auch häufig gekleidet, wie es eher dem Wetter in Palermo entspräche als dem in Dublin. Und so sitzen sie oft schon im März vor ihrem Pub im Freien. Grundsätzlich gilt: Die Einstellung der Iren zu ihrem Wetter ist der ultimative Triumph des Optimismus über die Erfahrung.

Kleidung

Die Antwort auf die Frage "Welche Kleidung soll ich mitbringen?" lautet: "Alles, was sie haben."

Orientierung

in fast allen Ländern dieser Welt dienen Wegweiser dazu, Reisende von einem Ort zum anderen zu geleiten. Das gilt für Irland nur begrenzt. Hier sind Wegweiser stark von der Relativitätstheorie beeinflusst: Entweder ist es dieser Weg, oder es ist der andere. Ähnliches gilt für Angaben über Entfernung und Richtung zum nächsten Ort. Es kommt ganz darauf an, wen sie zufälligerweise fragen.

Sprache

Die gute Nachricht ist, dass Irland offiziell zweisprachig ist, was Sie unter anderem an den zweisprachigen Verkehrszeichen erkennen können. Die schlechte Nachricht ist, dass sie sich dadurch doppelt so oft heillos verfahren können: auf Englisch und auf Irisch.

Zeit

Auf der Insel herrschen zwei Zeitrechnungen: Zum einen die Greenwich Mean Time (GMT), die gegenüber Kontinentaleuropa eine Stunde nachgeht. Zum anderen die "local time", die zwischen zehn Minuten und drei Tagen nach GMT alles sein kann.


IRLAND -

Entdeckung der Langsamkeit

Wer einen erholsamen Ort der Entspannung sucht, weit ab von Stress und Alltagshetze, der findet in der ursprünglichen Natur, den vielfältigen Landschaftsformen und malerischen Dörfern Irlands sein Paradies. Als Gott die Zeit machte, so sagen die Iren, machte er genug davon. Dieser felsenfesten Überzeugung ist man auf der Grünen Insel noch heute. Es gilt eine eigene Zeitrechnung, in die der Urlauber eintaucht, sobald er seinen ersten Fuß auf irische Erde setzt. Allzu viel sportlichen Ehrgeiz sollten sie deshalb nicht im Gepäck haben, wenn sie das echte Irland entdecken wollen. Ein Begriff wie Pünktlichkeit definiert sich hier gänzlich anders als im restlichen Europa. Ein Zug gilt als pünktlich, wenn er innerhalb einer Viertelstunde nach dem fahrplanmäßigen Zeitpunkt im Bahnhof einrollt. Demzufolge hat die Irische Bahn eine Pünktlichkeitsquote von 95%. Glückliches Irland.
Das Fahrrad ist das optimale Fortbewegungsmittel, um die Insel zu erkunden. Flächenmäßig etwa so groß wie Bayern bezaubert sie durch ihre außergewöhnliche landschaftliche Vielfalt. Moorlandschaften und grüne Wiesen, einsame Sandstrände und schroffe Felsklippen, mediterranes Klima mit Palmen im Süden und "irish Alaska" im Norden. Ein weiterer Pluspunkt: die geringen Höhenunterschiede. Selbst im Hochland liegen die höchsten Erhebungen nur etwas mehr als 300 Meter über dem Meeresspiegel. Höchster per Rad befahrbarer Punkt ist der 600 Meter hohe Connor Pass auf der Dingle Halbinsel.
Erfreulich für den Radtouristen ist auch das ausgesprochen gute Netz an geteerten Straßen. Ein verlässlicher Orientierungssinn und Geduld ist allerdings vonnöten, plant man die Tour auf den idyllischen Nebenstrecken. Es gibt nicht viele gute Karten und die Beschilderung ist leider nicht immer zweisprachig, oft spärlich und manchmal alles andere als eindeutig. Doch im Notfall befindet sich auch in der entlegensten Gegend mindestens ein gastfreundliches Bed & Breakfast Haus, mit einem Pub in Fußnähe. Und nach wie vor kann man damit rechnen, von der Wirtin erst einmal mit einer Tasse heißem Tee empfangen zu werden.


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